Zitterpartie vor der großen Party
Beim Dorffestumzug ist jeder Schabernack erlaubt – nur die Fahrzeuge werden genau kontrolliert.
Am Pfingstwochenende wird in Helpup wieder das Dorffest gefeiert. Doch diesmal fiel es nicht leicht, alle Auflagen zu erfüllen. „An die sechs Monate lange Zitterpartie werden wir uns noch lange erinnern“, meinte Kamil Gorny, der Vorsitzende des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Helpup.
Es sollte ein harmloses Vergnügen sein, als 1960 erstmals gefeiert wurde. Höhepunkt war ein Umzug mit einigen bunt dekorierten Fahrzeugen und lustig verkleideten Menschen. Doch seither hat sich die Welt verändert und das NRW-Innenministerium hat auf 117 Seiten beschrieben, was bei Veranstaltungen im Freien zu beachten ist. Daraufhin wurden in manchen Orten schon Volksfeste wegen der organisatorischen Hürden abgesagt. Die Auflagen und die Kosten für Sicherheit erschienen zu hoch. Auch für Kamil Gorny war frühzeitig klar: „Wir werden noch ordentlich mehr als bisher tun müssen, damit das Fest stattfinden kann.“
Zunächst musste ein Sicherheitskonzept erstellt werden. „Wir haben wir viel Zeit und Nerven investiert“, berichtet der Vereinsvorsitzende. Die folgenden Gespräche mit der Polizei, dem städtischen Ordnungsamt und der Kreisverwaltung seien jedoch recht unkompliziert verlaufen. Der Plan mit den Straßensperren wurde genehmigt. „Der Kreis und die Stadt haben ein sehr großes Interesse daran, dass unser Fest wie gewohnt stattfinden kann“, stellte Gorny fest.
Als Problem erwies sich jedoch der für Pfingstsonntag geplante Festumzug. Denn die Stimmung kann noch so fröhlich und ausgelassen sein, für die teilnehmenden Wagen gelten besondere Regeln. Die Anforderungen reichen von stabilen Geländern über rutschfeste Flächen bis hin zum sicheren Auf- und Abstieg. „Das ist durchaus sinnvoll und betrifft alle Veranstaltungen, aber ich hatte den Eindruck, dass wir unter besonderer Beobachtung stehen“, meint Gorny. „Vor zwei Jahren hat ein Festwagen noch lange nach dem Umzug entgegen den Vorschriften Personen auf der Bundesstraße befördert. Das hat mir das Leben bei den Verhandlungen mit den Behörden nicht gerade erleichtert.“
In langen Gesprächen habe er einige unrealistische Auflagen abwenden können, sagt Gorny, aber im November stand fest: „Es wird nicht mehr so sein, dass Festwagen eine Woche vorher oder womöglich am selben Tag angemeldet werden können.“ Für alle Zugmaschinen und Anhänger muss ein „Brauchtumsgutachten“ von einem anerkannten Sachverständigen erstellt werden. Einen Monat vorher müssen Fahrzeugscheine oder Betriebserlaubnis vorgelegt werden. Der Gutachter der DEKRA verlangte schon vorab aussagekräftige Fotos der Motivwagen, die sich ja erst noch im Bau befanden. Bei der eigentlichen Prüfung wurden dann auch die zulässigen Abmessungen, Reifen, Bremsen und die Beleuchtung in Augenschein genommen. Für einige Gruppen war dies sehr ungewohnt und Gorny musste ihnen mehrmals erklären: „Es gibt keinen Spielraum für diese Vorgaben, da helfen auch keine großen Diskussionen.“
Manche Traktorbesitzer holen ihren Oldtimer nur zum Dorffest aus der Garage, einige Anhänger sind vor Jahrzehnten im Eigenbau entstanden und besitzen nicht einmal eine Fahrgestellnummer. In diesen Fällen musste deshalb noch ein „Gutachten zur Erteilung der Betriebserlaubnis“ eingeholt werden. Ende April teilte der Vereinsvorsitzende den Festwagengemeinschaften mit: „Die Zeit sitzt uns echt im Nacken, weil immer noch Unterlagen fehlen.“ Das Dorffest werde jedoch nur gemeinsam mit dem Umzug genehmigt. „Es wird also immer spannender.“
Am vergangenen Mittwoch, also eine Woche vor dem Fest, traf dann endlich der erlösende Brief von der Kreisverwaltung ein. Darin wird mitgeteilt, dass zum Dorffest „keine verkehrsrechtlichen Bedenken“ bestehen. Erleichtert stellt Gorny fest: „Das war diesmal mehr als knapp.“
